Work-Life…ja was denn nun? – Der schmale Grat zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Integration

Während es früher nur darum ging, den Lebensunterhalt durch die Arbeit zu sichern, erwarten heute immer mehr Menschen deutlich mehr von ihrer Arbeit. Erfüllend soll sie sein, einen Sinn haben und fordernd, allerdings nicht überfordernd sein. Hinzu kommt, dass sich das Leben aller in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat. Früher ging Man(n) arbeiten, kam nach Hause, ging vielleicht noch zum Fußballverein oder in die Kneipe und dann ging es wieder von vorne los. Heutzutage sind die Leben der Meisten jedoch deutlich flexibler. Möglich macht dies unter anderem der immer stärker verbreitete New Work Gedanke der Unternehmen. Doch trotz aller Möglichkeiten ist es nach wie für viele eine große Herausforderung, ihre Zeit sowohl privat als auch beruflich möglichst effizient zu nutzen, ohne sich dabei zu überarbeiten. Zwei Modelle, die sich in den letzten Jahren bei der Lösung dieses Problems hervorgetan haben, sind die Ideen der Work-Life-Balance und der Work-Life-Integration 

Was ist Work-Life-Balance? 

Work-Life-Balance ist das Finden eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen dem Privat- und Berufsleben sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch auf der des Arbeitnehmers. Dabei werden Arbeit und Privates strikt getrennt voneinander betrachtet.   

Was ist Work-Life-Integration 

Work-Life-Integration bedeutet im Gegensatz zur Work Life Balance, dass das Berufsleben und das Privatleben integrativ vereinbart werden und keine zwei voneinander getrennten Bereiche darstellen. 

Was ist die Idee hinter dem Begriff Work-Life-Balance 

Die Idee hinter dem Work-Life-Balance Modell ist, dass Arbeit und Berufliches nicht miteinander vermischt werden. Zum einen soll dadurch die Arbeit produktiver sein, da zum Beispiel keine privaten Mails während der Arbeit gecheckt werden. Zum anderen soll aber auch das Privatleben geschützt werden, in dem die Arbeit mit Verlassen des Büros hinter einem gelassen wird. Für berufliches ist man dann nicht mehr erreichbar. So soll unter anderem vermieden werden, dass man unnotierte Überstunden daheim macht und sich überarbeitet. Stattdessen soll der Mitarbeiter sich ausreichend Ruhephasen gönnen und so am nächsten Tag wieder produktiv die Arbeit aufnehmen.   

Wo sind die Probleme beim Begriff Work-Life-Balance 

Das Problem bei der Work-Life-Balance ist, dass sie in der Realität nur sehr schwer umzusetzen ist. Oftmals kommt es vor, dass Arbeit nicht unbedingt dann anfällt, wenn man auch wirklich im Büro sitzt. So kommt es recht häufig vor, dass man seinen Teil der Arbeit erledigt hat und für die nächsten Schritte auf das Ok des Kollegen warten muss. Doch da die Arbeitszeit vorschreibt, dass man bis 17 Uhr im Büro sitzen muss, heißt es meist einfach die Zeit absitzen. Dadurch verliert der Mitarbeiter Zeit, die anderweitig produktiv nutzen könnte. Ebenso sind unvermeidliche private Termine wie Arzt- oder Handwerkertermine tagsüber oftmals schwierig umzusetzen. Wer diese während der Arbeitszeit wahrnehmen muss, muss sich dafür meist einen halben oder gar ganzen Tag frei nehmen, anstatt die fehlenden Stunden einfach auf den frühen Morgen oder späten Arbeit zu verlagern. Zudem können die wenigsten Menschen von einen auf den anderen Moment die Arbeit hinter sich lassen. Ungelöste Probleme, eine knifflige Aufgabe, die Antwort auf eine wichtige Mail… all das kann einen – zumindest im Geiste – auch noch nach der Arbeit beschäftigen, sodass an Abschalten sowieso nicht zu denken ist. Hinzu kommt, dass nicht jeder den gleichen Biorhythmus hat. Während manche lieber morgens arbeiten, arbeiten andere lieber tagsüber. Wieder andere arbeiten lieber abends oder gar spät in der Nacht. Gerade bei kreativen Prozessen kann dies die Performance eines Mitarbeiters maßgeblich beeinflussen.  

Was ist die Idee hinter dem Begriff Work-Life-Integration 

Genau an diesen Problemen setzt die Work-Life-Integration an. Das Modell verabschiedet sich von der Idee, dass man Arbeit und Privates wirklich strikt voneinander trennen muss. In der Praxis ist dies eh kaum umsetzbar. Stattdessen ist die Idee dahinter, Arbeit und damit auch das Privatleben so flexibel zu gestalten, dass man beides möglichst effektiv nutzen kann. So können problemlos private Termine wahrgenommen oder auch mal die Sonne genossen werden. Dabei geht dies, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, Urlaub zu nehmen oder Arbeitszeit zu verlieren. Die reine Arbeitszeit wird so sogar effizienter genutzt, da man in Gedanken nicht woanders ist und seine Zeit im Büro nicht einfach nur absitzt, weil gerade nichts zu tun ist. Dadurch soll das Stresslevel nicht gesteigert, sondern gesenkt werden. Gerade den sogenannten Millennials kommt der Work-Life-Integration Ansatz entgegen. Sie fordern vermehrt New Work Arbeitsweisen, anstatt einen 9 to 5 Job anzustreben. Ihnen ist Flexibilität genauso wichtig wie einen Sinn hinter ihrer Arbeit und diesen Anspruch erfüllt die Work-Life-Integration 

Was sind die Probleme beim Begriff Work-Life-Integration? 

Auch das Konzept der Work-Life-Balance bringt einige Probleme mit sich. Zum einen kann es schnell passieren, dass Chefs die Situation bewusst oder unbewusst ausnutzen. So verlangen einige Chefs mehr von ihren Angestellten, als sie leisten können und zum Beispiel abends noch Projekte einreichen, mit einer Deadline bis zum nächsten Morgen. Zum anderen ist die Work-Life-Integration nicht für jeden etwas. Während die einen Probleme mit der Selbstorganisation und Selbstmotivation haben, haben andere genau das gegenteilige Problem. Sie sind zu motiviert und engagiert und arbeiten dadurch deutlich zu viel. Viele haben die Denkweise, dass sie das ja auch gerade noch schnell erledigen können. Andere haben das Gefühl, noch nicht genug für den Tag gearbeitet zu haben. Zudem bietet sich das Modell Work-Life-Integration nicht für jeden Beruf an. Des Weiteren muss das Arbeitsschutzgesetz und damit die Einhaltung von genügend Ruhepausen zwischen den Arbeitszeiten beachtet werden.  

Was braucht es, damit Work-Life-Integration funktioniert?  

Work-Life-Integration kann nur dann funktionieren, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer es wollen bzw. sich drauf einlassen. So kann der Arbeitgeber zum Beispiel nicht von seinem Angestellten verlangen, jederzeit erreichbar zu sein. Andersherum kann ein Arbeitnehmer sich auch nicht einfach so seine Arbeitszeiten legen, wie es für ihn am besten passt, ohne es mit seinem Chef abzusprechen. Daher ist es wichtig, dass zuvor feste Regeln festgelegt und entsprechende Tools eingerichtet werden. So muss klar sein, an welchen Meetings der Arbeitnehmer teilzunehmen hat, Deadlines klar kommuniziert und Arbeitsprozesse so geplant werden, dass zum einen alle Dateien online abrufbar sind und zum anderen die Arbeit abends daheim nicht daran scheitert, dass Kollegen miteingebunden werden müssen, die aber nicht mehr erreichbar sind bzw. durch die eigene nicht-Erreichbarkeit Prozesse hadern.  

Wo sind die Vorteile für Arbeitnehmer?  

Die Vorteile für Arbeitnehmer sind so zahlreich wie vielfältig. So sind Vorteile zum Beispiel, dass 

  • die Zeit für Arbeit als auch Privates effektiver genutzt wird
  • der Stresslevel reduziert wird 
  • Schuldgefühle, zum Beispiel durch Checken privater Emails während der Arbeit, abgebaut werden
  • die Freude am Arbeiten zunimmt
  • nicht immer 40 Stunden pro Woche arbeiten notwendig sind, um Ziele zu erreichen
  • die Motivation langfristig zunimmt
  • die Leistungsbereitschaft zunimmt 

Wo sind die Vorteile für Arbeitgeber? 

Die Vorteile für den Arbeitgeber sind eng verbunden mit denen der Arbeitnehmer. Ein zufriedener und effizienter Mitarbeiter ist für ein Unternehmen deutlich wertvoller, als einer, der zwar 40 Stunden im Büro sitzt, aber aus diversen Gründen sein Potenzial nicht abrufen kann. So steigt zum einen die Produktivität des Unternehmens, zum anderen aber auch die Zufriedenheit innerhalb des Teams.  

Die Work-Life-Integration kann somit einen wertvollen Beitrag zu einer besseren, glücklicheren und effizienteren Arbeitswelt leisten. Voraussetzung dafür ist allerdings ein gutes Zeitmanagement von Seiten der Arbeitnehmer sowie die Bereitstellung von New Work Arbeitsweisen von Seiten des Arbeitgebers. Zudem muss es klare Regeln gebendamit die Prozesse weiterhin einwandfrei funktionieren und sichergestellt wird, dass niemand zu viel oder zu wenig arbeitet.  

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